Berühmte Fotografen: 12 Ikonen und was du von ihnen lernen kannst

Manche Fotos bleiben im Gedächtnis, obwohl wir sie nur einmal gesehen haben. Nicht allein die Kamera macht sie besonders. Es ist der Blick dahinter: ein Gespür für Licht, Nähe, Timing und Geschichten. Berühmte Fotografen wie Ansel Adams, Dorothea Lange, Henri Cartier-Bresson oder Annie Leibovitz haben sehr unterschiedliche Bildsprachen entwickelt. Gerade deshalb sind ihre Arbeiten eine wertvolle Schule für alle, die bewusster fotografieren möchten.

In diesem Überblick lernst du zwölf prägende Fotografinnen und Fotografen kennen. Du erfährst, was ihren Stil auszeichnet und wie du ihre wichtigsten Prinzipien mit eigenen Motiven üben kannst. Es geht nicht darum, berühmte Bilder zu kopieren. Du sollst erkennen, warum sie wirken – und daraus deinen eigenen fotografischen Weg entwickeln.

Aus Inspiration wird Können, wenn du selbst fotografierst: Unsere Fotokarten mit Fotoideen, Bildgestaltung und Fotohacks geben dir konkrete Aufgaben für Kamera oder Smartphone. So wird aus dem Blick auf große Vorbilder direkt ein eigenes Fotoprojekt.

Warum berühmte Fotografen gute Lehrmeister sind

Gute Fotos entstehen nicht nur durch Blende, ISO und Zeit. Technik ist die Basis. Ein starkes Bild braucht auch klare Ziele: Was soll zu sehen sein? Was bleibt außerhalb des Bildes? Wo fällt das Licht hin? Welcher Moment erzählt die Geschichte am besten?

Genau dabei helfen große Vorbilder. Wenn du ihre Bilder genau ansiehst, schulst du deinen Blick. Du erkennst Formen, Licht, Sichtweisen und Wege des Erzählens. Auch die Unterschiede sind lehrreich: Ansel Adams plante Tonwerte sehr genau. Henri Cartier-Bresson reagierte auf kurze Momente. Annie Leibovitz plant Porträts bis ins Detail. Vivian Maier fand ihre Motive mitten im Alltag.

Die Auswahl in diesem Artikel ist keine objektive Rangliste. „Berühmt“ kann Reichweite, kunsthistorischen Einfluss, technische Innovation oder die Wirkung einzelner Bilder bedeuten. Deshalb führt die Liste bewusst verschiedene Epochen und Genres zusammen – von Landschaft und Street Photography bis Porträt, Mode, Dokumentation und Konzeptkunst.

Berühmte Fotografen im schnellen Überblick

Berühmte Fotografen im schnellen Überblick

Zwölf berühmte Fotografen, ihre Genres und ihre wichtigsten fotografischen Lektionen
Name Bekannt für Wichtigste Lektion
Ansel Adams Schwarz-Weiß-Landschaften Belichtung und Tonwerte vorausdenken
Dorothea Lange Sozialdokumentarische Fotografie Menschen mit Kontext und Würde zeigen
Henri Cartier-Bresson Street- und Reportagefotografie Bildaufbau und Handlung im richtigen Moment verbinden
Robert Capa Kriegs- und Reportagefotografie Nähe und Anteilnahme sichtbar machen
Annie Leibovitz Inszenierte Porträts Ein Porträt als Geschichte planen
Steve McCurry Farbige Reportage und Reisefotografie Farbe als tragendes Bildelement nutzen
Vivian Maier Street Photography und Selbstporträts Den Alltag aufmerksam beobachten
Cindy Sherman Inszenierte Konzeptfotografie Rollen, Klischees und Bildwirkung hinterfragen
Sebastião Salgado Langfristige Dokumentarprojekte In Serien statt in Einzelbildern denken
Peter Lindbergh Mode- und Porträtfotografie Ausdruck vor makellose Oberfläche stellen
Helmut Newton Provokante Modefotografie Eine klare visuelle Haltung entwickeln
Andreas Gursky Großformatige Architektur- und Kunstfotografie Ordnung, Muster und Maßstab sichtbar machen

Du möchtest einfach loslegen?

Du musst nicht alle zwölf Fotografen kennen oder ihre Arbeitsweise genau nachahmen. Suche dir zunächst einen Namen aus, dessen Bilder dich spontan ansprechen. Wähle dann eine der Übungen und setze sie mit deiner Kamera oder deinem Smartphone um. Schon eine bewusste Entscheidung zu Licht, Farbe, Moment oder Perspektive kann deine Fotos sichtbar verändern.

Wenn du weitere leicht verständliche Anleitungen suchst, findest du in unseren Fototipps zum Fotografieren lernen zusätzliche Ideen für die Praxis.

Fotografiegeschichte in sieben Stationen

Die Geschichte der Fotografie ist nicht nur eine Folge neuer Kameras. Immer wieder änderte sich auch die Vorstellung davon, was ein Foto sein kann: ein technischer Beweis, ein persönliches Porträt, ein journalistisches Dokument, ein Kunstwerk oder eine bewusst inszenierte Aussage.

  1. Ab 1839 – das Bild wird dauerhaft: Louis Daguerre und William Henry Fox Talbot entwickelten unterschiedliche frühe Verfahren. Fotografien waren zunächst Einzelstücke oder aufwendig hergestellte Abzüge.
  2. Mitte des 19. Jahrhunderts – Porträts zwischen Dokument und Kunst: Nadar porträtierte bekannte Persönlichkeiten mit klarer Lichtführung. Julia Margaret Cameron setzte bewusst Unschärfe und Nähe ein, um seelischen Ausdruck zu erzeugen.
  3. Um 1900 – Fotografie will als Kunst anerkannt werden: Alfred Stieglitz förderte die künstlerische Fotografie. Bald entstand als Gegenbewegung eine sachlichere, klarere Bildsprache, die das Medium nicht länger wie Malerei aussehen lassen wollte.
  4. 1920er-Jahre – Experimente und „Neues Sehen“: Man Ray, László Moholy-Nagy und andere Künstler arbeiteten mit ungewöhnlichen Perspektiven, Fotogrammen, Mehrfachbelichtungen und starken grafischen Formen.
  5. 1930er- bis 1950er-Jahre – Dokumentation und Fotojournalismus: Dorothea Lange, Robert Capa und Henri Cartier-Bresson zeigten soziale Wirklichkeit, Krieg und Alltag. Illustrierte Magazine und Fotoagenturen machten Bildreportagen zu einem wichtigen Massenmedium.
  6. Nach 1960 – Mode, Inszenierung und Konzept: Helmut Newton, Annie Leibovitz und später Cindy Sherman machten sichtbar, dass ein Foto Wirklichkeit nicht nur festhält, sondern auch Rollen, Wünsche und Klischees erzeugen kann.
  7. Seit den 1980er-Jahren – Großformat und digitale Konstruktion: Die Düsseldorfer Fotoschule prägte eine neue, präzise Bildsprache. Andreas Gursky verbindet detailreiche Großformate mit digitaler Bearbeitung und zeigt globale Räume, Warenwelten und Menschenmengen.

Diese Zeitleiste ist bewusst knapp. Sie hilft jedoch, die folgenden zwölf Namen nicht als einzelne Stars, sondern als Teil einer langen Entwicklung zu verstehen.

Weitere eBooks zum Fotografieren lernen

Fotografieren lernen

Fotografieren lernen kann einfach sein! Als EBOOK oder gedrucktem Buch in DIN A5.  Ohne viel Blabla und Aufgaben lernst Du praxisnah mit unserem Buch die Grundlagen der Fotografie. Lerne Schritt für Schritt die Grundlagen der Fotografie!

Unser Grundlagen Fotografie Buch ist für Einsteiger und Anfänger ein ideales Lern- & Nachschlagewerk.

FOTOGRAFIE GRUNDLAGEN EINFACH ERKLÄRT
FOTOGRAFIE GRUNDLAGEN EINFACH ERKLÄRT
GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE ALS PRINT
GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE ALS PRINT
GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE ALS EBOOK
GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE ALS EBOOK

Eine tolle Ergänzung und ein besonderes Geschenk ist unser Fotografie Challenge Logbuch. Das Fotografie Challenge Logbuch ist ein vielseitiger Foto-Planer, der Fotografen über 12 Monate begleitet. Es bietet 52 Foto-Challenges, 30 Aufgaben, Inspirationen, Planungs- und Notizhilfen, sowie einen immerwährenden Kalender. Das Logbuch ist ideal für Anfänger und Hobbyfotografen, die ihre Kreativität entfalten und ihre fotografischen Projekte strukturiert angehen möchten. Es enthält Checklisten, Tipps zum Foto-Workflow, Fotospots und Platz für eigene Notizen. Zusätzlich gibt es digitale Bonus-Inhalte zur Erweiterung des Buches.

FOTO CHALLANGE LOGBUCH
FOTO CHALLANGE LOGBUCH

Entdecke die Vorteile von Fotografie-eBooks! Warum solltest du dir eins zulegen?  Trage deine gesamte Fotobibliothek immer dabei – auf Smartphone oder Tablet! Erweitere deine fotografischen Fähigkeiten mit einem Fotografie-eBook – Dein praktischer Begleiter für die besten Aufnahmen!

Spickzettel Fotografie

Unsere gedruckten Fotokarten, Spickzettel & Spicker haben wir für Hobbyfotografen entwickelt, um wichtige Grundlagen, Inspiration, Anleitung und Tipps rund um die Fotografie stets griffbereit zu haben! Ideales Geschenk für Hobby-Fotografen, klimaneutral gedruckt, schnell & klimaneutral versendet.

Für alle Kamera-Typen & Hersteller geeignet, verständlich, kurz & präzise formuliert, für Anfänger & Einsteiger in der Fotografie!

12 berühmte Fotografen und ihre wichtigsten Lektionen

Der Fotograf Ansel Adams mit Hut neben einer Kamera auf einem Stativ
Ansel Adams mit Kamera, um 1950. Foto: J. Malcolm Greany / U.S. National Park Service, via Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain Mark 1.0).

1. Ansel Adams: Licht und Tonwerte bewusst gestalten

Ansel Adams (1902–1984) gehört zu den bekanntesten Landschaftsfotografen der Geschichte. Seine detailreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen des amerikanischen Westens, besonders aus dem Yosemite-Nationalpark, machten Landschaft nicht nur sichtbar, sondern spürbar. Gemeinsam mit Fred Archer entwickelte er das Zonensystem. Damit ließen sich Helligkeitswerte schon vor der Aufnahme gezielt planen und später im Negativ und Abzug kontrollieren. Die Biografie der Ansel Adams Gallery zeigt zudem, wie eng seine Fotografie mit Naturerfahrung, präzisem Handwerk und Umweltschutz verbunden war.Ein Werk zum Einstieg: „Moonrise, Hernandez, New Mexico“ aus dem Jahr 1941. Achte darauf, wie der helle Mond, die Wolken, die weißen Kreuze und die dunkle Landschaft durch klar getrennte Tonwerte miteinander verbunden werden.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Adams arbeitete mit klaren Formen, großer Tiefenschärfe und einem breiten Spektrum von tiefem Schwarz bis zu hellem Weiß. Seine Bilder wirken nicht zufällig dramatisch. Er stellte sich das fertige Foto bereits vor der Aufnahme vor und richtete Belichtung sowie spätere Ausarbeitung darauf aus.

Das kannst du von Ansel Adams lernen

Überlasse die Bildwirkung nicht allein der Automatik. Prüfe vor dem Auslösen, wo die hellste und die dunkelste wichtige Stelle liegt. Frage dich, welche Tonwerte Zeichnung behalten sollen.

Übung: Mach von derselben Landschaft ein Bild in Farbe und eins mit Schwarz-Weiß-Vorschau. Ändere Standpunkt und Belichtung. Das Bild soll auch ohne Farbe eine klare Tiefe mit Vordergrund, Mitte und Hintergrund zeigen.

Schwarz-Weiß-Foto eines alten Autos mit Frau auf dem Dach in ländlicher Umgebung.
Dorothea Lange mit Graflex-Kamera, Kalifornien 1936

2. Dorothea Lange: Mit Bildern gesellschaftliche Geschichten erzählen

Dorothea Lange (1895–1965) prägte die sozialdokumentarische Fotografie. Während der Großen Depression arbeitete sie zunächst für die Resettlement Administration und später für die Farm Security Administration in den USA. Ihr Porträt „Migrant Mother“ aus dem Jahr 1936 wurde zu einem Sinnbild wirtschaftlicher Not. Die Library of Congress stellt die FSA/OWI-Sammlung mit zahlreichen Aufnahmen und Kontextinformationen online bereit.

Bei der dargestellten Frau handelte es sich um Florence Owens Thompson. Lange fotografierte die Familie in mehreren Aufnahmen und näherte sich dabei Schritt für Schritt der heute bekannten Komposition. Das Bild ist deshalb nicht nur ein Beispiel für Nähe, sondern auch für Auswahl und fotografische Verdichtung. Die Library of Congress dokumentiert die gesamte „Migrant Mother“-Serie und ihren historischen Hintergrund.Ein Werk zum Einstieg: „Migrant Mother, Nipomo, California“, 1936. Vergleiche das berühmte Bild mit den weiteren Aufnahmen der Serie und beobachte, wie sich Nähe, Blickrichtung und Bildwirkung verändern.

Was zeichnet ihre Bilder aus?

Lange verband Nähe mit sozialem Zusammenhang. Gesichter, Hände, Kleidung und Umgebung erzählen gemeinsam. Ihre Fotografien zeigen Menschen nicht als Dekoration, sondern als Persönlichkeiten in einer konkreten Lebenssituation.

Das kannst du von Dorothea Lange lernen

Ein gutes Porträt braucht nicht immer ein Studio. Die Umgebung kann erklären, wer ein Mensch ist und was ihn beschäftigt. Voraussetzung sind Respekt, Einverständnis und ein ehrlicher Umgang mit der Situation.

Übung: Zeige eine Person bei einer vertrauten Arbeit. Mach erst ein Bild der ganzen Szene. Zeige dann die Person näher und achte auf Hände oder Werkzeuge. Wähle drei Fotos, die zusammen eine kleine Geschichte ergeben.

Fotograf in Paris bei einem Fotoshooting, historische Stadtansicht.
Henri Cartier-Bresson in Paris, 1954. Foto: Ihei Kimura, via Wikimedia Commons, gemeinfrei in Japan und den USA.

3. Henri Cartier-Bresson: Den entscheidenden Moment erkennen

Henri Cartier-Bresson (1908–2004) gilt als prägende Figur der Street- und Reportagefotografie. Er war 1947 an der Gründung der Fotoagentur Magnum Photos beteiligt. Berühmt wurde sein Ansatz, Form und Handlung in einem entscheidenden Augenblick zusammenzuführen. Das Profil bei Magnum Photos bietet einen Überblick über sein Werk und seine internationalen Reportagen.Ein Werk zum Einstieg: „Behind the Gare Saint-Lazare, Paris“, 1932. Der schwebende Fuß des springenden Mannes, sein Spiegelbild und die Formen im Hintergrund zeigen, warum der richtige Moment und ein klarer Bildaufbau zusammengehören.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Linien, Schatten, Architektur und Bewegungen greifen oft exakt ineinander. Obwohl viele Szenen spontan entstanden, wirken die Kompositionen geordnet. Cartier-Bresson beobachtete geduldig und löste dann aus, wenn Haltung, Blick oder Bewegung das Bild vervollständigten.

Das kannst du von Henri Cartier-Bresson lernen

Suche zunächst eine interessante Bühne: eine Treppe, einen Lichtkegel, eine Spiegelung oder wiederkehrende Linien. Warte dann, bis ein Mensch oder eine Bewegung der Komposition Bedeutung gibt.

Übung: Wähle einen festen Ort und bleibe dort 15 Minuten. Ändere nicht ständig den Ausschnitt. Sieh zu, wie Menschen die Fläche betreten und verlassen. Löse erst dann aus, wenn ihre Lage die Formen im Bild ergänzt.

Der Kriegsfotograf Robert Capa in China im Jahr 1938
Robert Capa während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges in China, 1938. Fotograf unbekannt, Sammlung des Rijksmuseums, via Wikimedia Commons, CC0 1.0. Beschnittene Fassung; für die Webdarstellung in WebP umgewandelt.

4. Robert Capa: Nähe erzeugt Anteilnahme

Robert Capa (1913–1954) wurde als Endre Friedmann in Budapest geboren. Zusammen mit der Fotografin Gerda Taro entwickelte er in Paris die Figur des vermeintlich erfolgreichen amerikanischen Fotografen „Robert Capa“. Unter diesem Namen ließen sich die Bilder zunächst besser vermarkten. Diese ungewöhnliche Entstehungsgeschichte zeigt, dass auch Autorschaft, Öffentlichkeit und Selbstinszenierung zur Fotografiegeschichte gehören.

Capa dokumentierte mehrere Kriege und gehörte später zu den Gründern von Magnum Photos. Seine Aufnahmen von der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 stehen bis heute für die unmittelbare Wirkung des Fotojournalismus. Das Profil bei Magnum Photos erläutert auch die wichtige Zusammenarbeit mit Gerda Taro.Ein Werk zum Einstieg: Capas Bilder vom D-Day in der Normandie, 1944. Bewegungsunschärfe, Wasser und eine unsichere Perspektive vermitteln weniger Übersicht als das Gefühl, mitten in einer kaum kontrollierbaren Situation zu sein.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Viele Fotos vermitteln das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Technische Perfektion tritt dabei manchmal hinter Bewegung, Spannung und Nähe zurück. Die Bilder wirken nicht distanziert, sondern beteiligt.

Das kannst du von Robert Capa lernen

Nähe ist nicht nur eine Frage der Brennweite. Sie entsteht durch Vertrauen, Position und die Entscheidung, eine Situation aus der Perspektive der Beteiligten zu erzählen. In ungefährlichen Alltagssituationen kannst du dieses Prinzip gut üben.

Übung: Begleite ein Training, eine Werkstatt oder eine Aktion im Verein. Bleibe nicht nur am Rand. Bitte vorher um Erlaubnis, gehe nah ans Geschehen und zeige Kraft, Gesten sowie Reaktionen.

Die Fotografin Annie Leibovitz bei einer Ausstellung in San Francisco im Jahr 2008
Annie Leibovitz bei einer Ausstellung in San Francisco, 2008. Foto: Marc Silber / Silber Studios, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Beschnittene Fassung; für die Webdarstellung verkleinert und in WebP umgewandelt.

5. Annie Leibovitz: Porträts als visuelle Geschichten planen

Annie Leibovitz (geboren 1949) ist für aufwendig gedachte Porträts von Künstlern, Politikern und anderen bekannten Persönlichkeiten berühmt. Ihre Karriere begann beim Magazin „Rolling Stone“, später arbeitete sie unter anderem für „Vanity Fair“ und „Vogue“. Die Library of Congress zählt sie zu den „Living Legends“ der US-Kultur.Ein Werk zum Einstieg: das Porträt von John Lennon und Yoko Ono aus dem Jahr 1980. Körperhaltung, Nähe und Kontrast erzählen eine Beziehungsgeschichte, die weit über ein klassisches Prominentenporträt hinausgeht.

Was zeichnet ihre Bilder aus?

Leibovitz verbindet Person, Kulisse, Kleidung, Licht und Requisiten zu einer Erzählung. Manche Bilder sind reduziert, andere filmisch inszeniert. Gemeinsam ist ihnen eine klare Idee, die zur porträtierten Person oder zu ihrer öffentlichen Rolle passt.

Das kannst du von Annie Leibovitz lernen

Beginne ein Porträt nicht mit der Frage nach der Kameraeinstellung, sondern mit der Aussage. Soll die Person ruhig, nahbar, kraftvoll oder überraschend wirken? Erst danach folgen Ort, Licht und Pose.

Übung: Schreibe drei Merkmale der Person auf. Wähle dazu einen Ort und einen Gegenstand. Mach dann ein schlichtes Porträt und eine inszenierte Variante. Welches Bild erzählt mehr über die Person?

Porträt des Fotografen Steve McCurry aus dem Jahr 2011
Steve McCurry, 2011. Foto: John Ramspott, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Aus der ursprünglichen Aufnahme beschnitten; für die Webdarstellung verkleinert und in WebP umgewandelt.

6. Steve McCurry: Farbe gezielt für Aufmerksamkeit und Stimmung einsetzen

Steve McCurry (geboren 1950) wurde mit Reportagen aus Asien und dem Porträt „Afghan Girl“ weltweit bekannt. Die Aufnahme entstand 1984 und erschien 1985 auf dem Titel von „National Geographic“. In seiner offiziellen Biografie werden seine Arbeiten aus Konfliktgebieten, seine Reisefotografie und sein Interesse am menschlichen Alltag zusammengeführt.Ein Werk zum Einstieg: „Afghan Girl“, 1984. Beobachte, wie der direkte Blick, der grün-rote Farbkontrast und der ruhige Hintergrund gemeinsam eine sehr starke Präsenz erzeugen.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Kräftige Farben, klare Blickführung und ausdrucksstarke Gesichter bestimmen viele seiner Fotografien. Farbe ist selten nur Schmuck. Sie verbindet Flächen, setzt Kontraste und lenkt den Blick zum Hauptmotiv.

Das kannst du von Steve McCurry lernen

Beobachte Farben schon vor der Aufnahme. Suche nicht nach möglichst vielen kräftigen Tönen, sondern nach Beziehungen: Komplementärfarben, Wiederholungen oder eine einzelne auffällige Fläche in ruhiger Umgebung.

Übung: Wähle eine Farbe und mach eine Serie aus fünf Bildern. Die Farbe bekommt in jedem Foto eine neue Rolle: Hauptmotiv, Hintergrund, Rahmen, Kontrast oder kleines Detail.

Du möchtest die Übungen direkt draußen umsetzen? Unsere Spickzettel für Fotografen und Fotokarten bringen Grundlagen, Bildideen und praktische Hilfen kompakt in deine Fototasche. Sie unterstützen dich dort, wo Fotografieren lernen am meisten bringt: beim eigenen Motiv.

7. Vivian Maier: Das Besondere im Alltag entdecken

Vivian Maier (1926–2009) arbeitete viele Jahre als Kindermädchen und fotografierte in ihrer freien Zeit. Ihr umfangreiches Archiv wurde erst spät öffentlich bekannt. Laut der offiziellen Vivian-Maier-Seite hinterließ sie mehr als 100.000 Negative, vor allem mit Straßenszenen aus Chicago und New York.

Maier veröffentlichte den größten Teil ihres Werks nicht selbst. Erst nach dem Verkauf von Teilen ihres Archivs wurden die Bilder gesichtet, geordnet und öffentlich gezeigt. Deshalb ist ihre Geschichte auch eine Geschichte über Nachlass, Auswahl und die Frage, wer das Bild einer Künstlerin nach ihrem Tod prägt.Eine Serie zum Einstieg: Maiers Spiegel-, Schatten- und Schaufenster-Selbstporträts. Achte darauf, wie sie sich sichtbar macht, ohne ein klassisches Porträt von sich zu zeigen.

Was zeichnet ihre Bilder aus?

Maier beobachtete Gesten, Blicke, soziale Gegensätze, Spiegelungen und kleine Absurditäten. Ihre niedrige Kameraposition mit der zweiäugigen Rolleiflex führte oft zu einer besonderen Nähe, ohne dass jede Szene frontal oder aufdringlich wirkt. Auch ihre Selbstporträts mit Schatten und Spiegeln sind ein wichtiger Teil des Werks.

Das kannst du von Vivian Maier lernen

Du brauchst keine Fernreise für interessante Fotos. Eine Bushaltestelle, ein Wochenmarkt oder eine Pfütze kann reichen. Entscheidend ist, ob du Beziehungen zwischen Menschen, Licht und Umgebung bemerkst.

Übung: Gehe einen bekannten Weg langsam ab. Zeige nur Dinge, an denen du sonst vorbeigehst. Suche je ein Motiv zu Nähe, Gegensatz, Spiegelung, Humor und Einsamkeit. Beachte bei klar erkennbaren Personen das Recht am eigenen Bild.

8. Cindy Sherman: Bilder und Rollen kritisch hinterfragen

Cindy Sherman (geboren 1954) ist eine zentrale Vertreterin der inszenierten Fotokunst. In ihrer Serie „Untitled Film Stills“ von 1977 bis 1980 erscheint sie selbst in erfundenen Rollen, die an Filmszenen erinnern. Das Museum of Modern Art führt Werke aus verschiedenen Schaffensphasen und macht sichtbar, wie konsequent Sherman Identität, Medienbilder und Klischees untersucht.

Obwohl Sherman selbst vor der Kamera erscheint, werden die „Untitled Film Stills“ kunsthistorisch nicht als klassische Selbstporträts verstanden. Die Bilder erzählen kaum etwas über ihre private Person. Sherman nutzt sich als Darstellerin für erfundene Rollen, die aus Film, Werbung und Popkultur vertraut wirken. Das MoMA erläutert diese wichtige Unterscheidung am Beispiel von „Untitled Film Still #23“.Ein Werk zum Einstieg: „Untitled Film Still #21“, 1978. Das Foto wirkt wie eine Szene aus einem bekannten Film, obwohl es diesen Film nie gegeben hat. Genau dieses Gefühl des Wiedererkennens ist Teil des Konzepts.

Was zeichnet ihre Bilder aus?

Shermans Fotografien wirken vertraut, obwohl sie keine konkreten Filme nachstellen. Kleidung, Pose, Perspektive und Kulisse lösen Erwartungen aus. Dadurch wird deutlich, wie schnell Betrachter aus wenigen Zeichen eine ganze Geschichte bilden.

Das kannst du von Cindy Sherman lernen

Fotografie bildet Wirklichkeit nicht neutral ab. Jede Pose und jeder Bildausschnitt beeinflusst, wie wir eine Person lesen. Wer Porträts, Werbung oder Social-Media-Inhalte erstellt, sollte diese Wirkung bewusst prüfen.

Übung: Plane drei Selbstporträts mit derselben Kleidung. Setze die Kamera leicht von oben, auf Augenhöhe und von unten ein. Ändere nur Haltung und Licht. Notiere, wie sich die Rolle im Bild wandelt.

9. Sebastião Salgado: Langfristig in fotografischen Serien denken

Sebastião Salgado (1944–2025) arbeitete über Jahre an umfangreichen Schwarz-Weiß-Projekten. Serien wie „Workers“, „Migrations“ und „Genesis“ beschäftigen sich mit Arbeit, Flucht, Natur und dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Seine Agentur Amazonas Images gibt in der Biografie und Werkübersicht Einblick in diese langfristige Arbeitsweise.Eine Serie zum Einstieg: die Bilder der Goldmine Serra Pelada in Brasilien aus den 1980er-Jahren. Menschenmengen, Leitern, Schlamm und harte Kontraste verdichten sich zu Bildern über Arbeit, Hoffnung und Ausbeutung.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Salgados Fotografien verbinden dokumentarische Themen mit dramatischem Licht und sorgfältiger Komposition. Einzelne Aufnahmen sind stark, gewinnen aber im Zusammenhang der Serie zusätzliche Bedeutung. Wiederkehrende Motive und Perspektiven schaffen einen visuellen Rhythmus. Diese Schönheit ist nicht frei von Diskussionen: Kritiker fragen, ob eine sehr ästhetische Darstellung von Armut und Leid den Blick schärft oder das Gezeigte zu stark verklärt. Gerade diese offene Frage macht sein Werk kunsthistorisch interessant.

Das kannst du von Sebastião Salgado lernen

Ein Thema lässt sich selten in einem einzigen Bild vollständig erzählen. Plane verschiedene Einstellungen: Überblick, Porträt, Handlung, Detail, Übergang und Abschluss. So entsteht eine Bildstrecke statt einer zufälligen Sammlung.

Übung: Wähle ein Thema in deiner Nähe, etwa einen Betrieb, den Verein oder einen Markt. Mach an drei Tagen Bilder davon. Stelle am Ende acht Fotos zusammen. Die Reihe soll auch ohne lange Texte klar sein.

Fotograf Helmut Newton bei einem Fotoshooting im Jahr 1995
Helmut Newton bei einem Fotoshooting mit Carla Bruni, 1995. Foto: Alexandra Touroff / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

10. Peter Lindbergh: Persönlichkeit vor Perfektion zeigen

Peter Lindbergh (1944–2019) prägte die internationale Modefotografie mit oft zurückhaltenden Schwarz-Weiß-Porträts. Statt Kleidung und Oberflächen allein in den Mittelpunkt zu stellen, betonte er Ausdruck, Haltung und Persönlichkeit. Seine Bilder wirkten häufig filmisch und zugleich weniger glatt als viele klassische Modeaufnahmen. Die Peter Lindbergh Foundation bewahrt sein Werk und informiert über Ausstellungen und Publikationen.Ein Werk zum Einstieg: das Cover der britischen „Vogue“ vom Januar 1990 mit fünf Models. Das Bild wurde zu einem Sinnbild für eine neue Generation von Supermodels und für Lindberghs vergleichsweise natürliche, direkte Porträtsprache.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Lindbergh nutzte reduzierte Farbigkeit, natürlich wirkende Situationen und eine direkte Beziehung zum Modell. Bewegung, Wind, sichtbare Hautstruktur oder ein ernster Blick durften Teil der Aufnahme sein. Das Ergebnis ist gestaltet, wirkt aber nicht leblos.

Das kannst du von Peter Lindbergh lernen

Ein gutes Porträt muss nicht jede Besonderheit glätten. Konzentriere dich auf Ausdruck und Kontakt. Gib einer Person eine kleine Handlung, statt nur starre Posen vorzugeben.

Übung: Zeige eine Person am Fenster oder im offenen Schatten. Nutze einen ruhigen Hintergrund und verzichte erst einmal auf starke Retusche. Lass dein Modell gehen, sich umdrehen und kurz zur Seite schauen. Wähle das Bild mit dem echten Ausdruck.

Porträt des Fotografen Peter Lindbergh im Jahr 2015
Peter Lindbergh im Jahr 2015. Foto: Stefan Rappo (Commons-Benutzer Fanzineredwiki); zugeschnittene Fassung: TDKR Chicago 101 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

11. Helmut Newton: Eine klare visuelle Haltung entwickeln

Helmut Newton (1920–2004) wurde in Berlin geboren und zählt zu den einflussreichsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder verbinden Mode, Inszenierung, Macht, Erotik und oft auch Irritation. Die Helmut Newton Foundation in Berlin dokumentiert seine Biografie und sein Werk.Eine Serie zum Einstieg: „Big Nudes“, 1980. Die großformatigen, frontal inszenierten Figuren wirken selbstbewusst und monumental. Zugleich werfen die Bilder Fragen nach Blick, Körperbild und Macht auf.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Newton arbeitete mit starken Posen, grafischem Licht und luxuriösen oder urbanen Schauplätzen. Seine Fotografien sind sofort erkennbar, aber nicht unumstritten. Gerade diese Spannung zeigt, dass eine Bildsprache mehr transportiert als Ästhetik: Sie kann Vorstellungen von Körper, Geschlecht und Macht verstärken oder zur Diskussion stellen.

Das kannst du von Helmut Newton lernen

Entwickle eine klare Idee und kontrolliere Linien, Körperhaltung sowie Licht. Prüfe zugleich kritisch, welche Wirkung eine Inszenierung hat. Bei jeder Personenfotografie sind Einverständnis, Grenzen und ein respektvoller Ablauf unverzichtbar.

Übung: Plane ein Modeporträt mit einer klaren Form im Hintergrund. Lege Licht, Pose und Ziel vorher in einer Skizze fest. Sprich die Idee mit dem Modell ab. Prüfe danach, ob das Bild wie geplant wirkt.

Fotograf Andreas Gursky im Museum K21 in Düsseldorf
Andreas Gursky im Museum K21 in Düsseldorf, 2013. Foto: Hans Peter Schaefer (Hpschaefer) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

12. Andreas Gursky: Muster, Ordnung und Größenverhältnisse sichtbar machen

Andreas Gursky (geboren 1955) ist für großformatige Fotografien von Architektur, Landschaft, Konsum- und Arbeitswelten bekannt. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher und verbindet einen erhöhten, distanzierten Blick häufig mit digitaler Bildbearbeitung. Seine offizielle Biografie dokumentiert Ausbildung, Ausstellungen und Lehrtätigkeit.Ein Werk zum Einstieg: „Rhein II“, 1999. Der Fluss, die Uferstreifen und der Himmel werden auf wenige waagerechte Flächen reduziert. Gursky entfernte störende Elemente digital und zeigt damit keine bloße Aufzeichnung, sondern eine bewusst konstruierte Wirklichkeit.

Was zeichnet seine Bilder aus?

Menschen erscheinen oft klein innerhalb großer Strukturen. Regale, Fenster, Waren, Arbeitsplätze oder Landschaftslinien werden zu Mustern. Aus der Entfernung entsteht Ordnung; beim genaueren Hinsehen werden zahlreiche einzelne Geschichten sichtbar.

Das kannst du von Andreas Gursky lernen

Wechsle bewusst zwischen Nähe und Distanz. Ein erhöhter Standort kann Beziehungen zeigen, die auf Augenhöhe verborgen bleiben. Wiederholungen geben einem Bild Struktur, eine gezielte Unterbrechung schafft Aufmerksamkeit.

Übung: Suche einen Ort mit vielen gleichen Dingen, etwa Fassaden, Fahrradständern, Sitzreihen oder Marktständen. Zeige die Ordnung von vorn. Mach dann ein zweites Bild. Eine Person oder ein fremdes Ding soll das Muster brechen.

Welche berühmten deutschen Fotografen gibt es?

Deutschland hat die Fotografie international stark geprägt. Bei der Einordnung lohnt sich ein genauer Blick: Helmut Newton wurde in Berlin geboren, lebte und arbeitete später jedoch in mehreren Ländern. Peter Lindbergh kam im heutigen Polen zur Welt, wuchs in Duisburg auf und wurde vor allem durch seine internationale Modefotografie bekannt. Andreas Gursky wurde in Leipzig geboren und ist eng mit der Düsseldorfer Fotoschule verbunden.

Zu den weiteren bedeutenden Namen gehören Bernd und Hilla Becher. Sie fotografierten Fördertürme, Hochöfen, Wassertürme und andere Industriebauten unter möglichst ähnlichen Bedingungen: nüchternes Licht, klare Perspektive und wenig Ablenkung. Mehrere Aufnahmen eines Bautyps ordneten sie zu sogenannten Typologien. So wurden Gemeinsamkeiten und kleine Unterschiede sichtbar.

Bernd Becher lehrte an der Kunstakademie Düsseldorf. Zu den Schülern und zum Umfeld der daraus entstandenen Düsseldorfer Fotoschule zählen Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth. Sie entwickelten sehr verschiedene Bildsprachen, übernahmen aber die genaue Beobachtung, die Arbeit in Serien und das Interesse an Räumen und Strukturen. Die Tate erläutert den Einfluss von Bernd und Hilla Becher auf diese Generation.

Wolfgang Tillmans steht für einen anderen Umgang mit Fotografie. Er verbindet Alltag, Porträt, politische Beobachtung und abstrakte Arbeiten. Ellen von Unwerth ist für lebendige, selbstbewusste Mode- und Porträtbilder bekannt. August Sander wiederum prägte mit seinem langfristigen Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ die typologische Porträtfotografie.

Was lässt sich daraus lernen? Es gibt nicht den einen „deutschen Stil“. Die Spannweite reicht von systematischer Dokumentation über großformatige Kunst bis zu spontaner Modefotografie. Für dein eigenes Lernen ist diese Vielfalt wichtiger als eine starre Bestenliste.

Was kann man von berühmten Fotografen lernen?

Die vorgestellten Persönlichkeiten arbeiteten in verschiedenen Zeiten, Ländern und Genres. Dennoch lassen sich sieben Grundsätze erkennen, die auch heute beim Fotografieren lernen helfen.

1. Ein starkes Bild beginnt vor dem Auslösen

Adams plante Tonwerte, Leibovitz eine Geschichte und Gursky die Ordnung großer Flächen. Gute Fotografie beginnt mit einer bewussten Absicht. Formuliere vor der Aufnahme in einem Satz, was dein Bild zeigen oder auslösen soll.

2. Licht ist Inhalt, nicht nur Helligkeit

Licht schafft Tiefe, Stimmung und Blickführung. Beobachte seine Richtung, Härte, Farbe und Veränderung. Frage nicht nur, ob genug Licht vorhanden ist, sondern welche Aussage es unterstützt.

3. Komposition braucht Ordnung und Spannung

Cartier-Bresson nutzte Linien und Bewegung. McCurry setzt stark auf Farben. Gursky macht Muster sichtbar. Ein klarer Bildaufbau führt den Blick. Das Bild muss dabei nicht symmetrisch sein.

4. Nähe entsteht durch Aufmerksamkeit

Lange, Capa und Maier zeigen auf unterschiedliche Weise, wie wichtig Beobachtung ist. Bei Menschen kommen Respekt und Kommunikation hinzu. Eine längere Begleitung führt oft zu ehrlicheren Bildern als ein schneller Schnappschuss.

5. Serien erzählen mehr als Einzelbilder

Salgado arbeitete über Jahre an Themen. Auch für Hobbyfotografen, Vereine und Unternehmen lohnt sich das Denken in Bildfolgen. Eine Veranstaltung wirkt vollständiger, wenn Überblick, Personen, Handlung und Details zusammenkommen.

6. Ein eigener Stil entsteht durch Wiederholung

Ein Bildlook ist kein Preset. Er entsteht aus wiederkehrenden Entscheidungen: Themen, Licht, Abstand, Perspektive, Farben und Auswahl. Fotografiere ein Thema mehrfach und prüfe, welche Entscheidungen wirklich zu dir passen.

7. Technische Regeln sind Werkzeuge

Berühmte Fotografen beherrschten ihre Mittel, aber sie ordneten sie der Bildidee unter. Lerne Grundlagen so sicher, dass du im entscheidenden Moment nicht lange suchen musst. Danach darfst du Regeln bewusst brechen.

So analysierst du die Bilder berühmter Fotografen in fünf Schritten

Ein Foto nur anzusehen ist inspirierend. Es systematisch zu untersuchen bringt dich weiter. Nutze dafür diese fünf Fragen:

  1. Erster Eindruck: Wohin geht dein Blick zuerst und welche Stimmung entsteht?
  2. Bildaufbau: Welche Linien, Flächen, Wiederholungen oder Ebenen ordnen das Foto?
  3. Licht und Farbe: Woher kommt das Licht? Wie wirken Kontraste und Farbbeziehungen?
  4. Moment und Perspektive: Warum wurde vermutlich genau dieser Standort und Augenblick gewählt?
  5. Aussage: Was erzählt das Bild, und welche Informationen bleiben bewusst offen?

Decke anschließend einen Teil des Fotos ab oder stelle dir eine andere Brennweite vor. Würde die Wirkung gleich bleiben? So erkennst du, welche Elemente wirklich tragen. Übertrage danach nur ein Prinzip auf ein eigenes Motiv – etwa die Farbbeziehung, den niedrigen Standpunkt oder die Arbeit mit Wiederholungen. Weitere praktische Anregungen findest du in unserem Beitrag über kreative Fotoideen und Fotoaufgaben.

Vier Wochen Praxis: Fotografieren lernen mit Vorbildern

Der Plan funktioniert allein, in einer Fotogruppe oder im Verein. Unternehmen können ihn auf die eigene Bildwelt übertragen: Menschen bei der Arbeit, Produktionsschritte, Veranstaltungen oder Architektur. Wichtig ist die gemeinsame Bildbesprechung. Begründe nicht nur, welches Foto dir gefällt, sondern wodurch es wirkt. Wenn du Menschen fotografieren möchtest, findest du in unserem Ratgeber zum Porträtfotografieren weitere Einstellungen und praktische Tipps.

Vier Wochen Praxis: Fotografieren lernen mit Vorbildern

Vier-Wochen-Lernplan mit fotografischen Vorbildern und passenden Übungen
Woche Schwerpunkt Aufgabe Vorbild
1 Licht und Tonwerte Eine Landschaft oder Architektur in drei Lichtstimmungen fotografieren Ansel Adams
2 Moment und Beobachtung An einem festen Ort eine kleine Alltagsszene als Serie aufnehmen Henri Cartier-Bresson, Vivian Maier
3 Porträt und Aussage Eine Person dokumentarisch und inszeniert porträtieren Dorothea Lange, Annie Leibovitz
4 Serie und Auswahl Ein lokales Thema in acht Bildern erzählen und streng editieren Sebastião Salgado, Andreas Gursky

Berühmte Bilder kritisch betrachten

Ein berühmtes Foto ist nicht automatisch eine neutrale Darstellung der Wirklichkeit. Standort, Ausschnitt, Licht, Auswahl, Bearbeitung und Bildunterschrift beeinflussen, was wir sehen und wie wir es deuten. Auch ein dokumentarisches Bild ist daher immer das Ergebnis von Entscheidungen.

Wer erzählt hier wessen Geschichte?

Bei Dorothea Lange, Robert Capa, Steve McCurry oder Sebastião Salgado stehen reale Menschen und reale Lebenssituationen im Mittelpunkt. Frage dich, wie viel die Betrachter über diese Menschen erfahren und wie viel durch eine einzelne Aufnahme vereinfacht wird. Ein starkes Bild kann Aufmerksamkeit schaffen. Es kann eine Person aber auch dauerhaft auf eine Rolle reduzieren.

Spontaner Moment oder bewusste Gestaltung?

Ein Foto kann echt und zugleich gestaltet sein. Dorothea Lange nahm mehrere Varianten der „Migrant Mother“ auf. Cartier-Bresson suchte oft zunächst einen geeigneten Bildraum und wartete auf den passenden Moment. Gursky bearbeitet und konstruiert Teile seiner Bilder digital. Diese Arbeitsweisen machen die Fotos nicht automatisch weniger wertvoll. Entscheidend ist, mit welchem Anspruch sie gezeigt werden und ob ihre Entstehung bewusst verschleiert wird.

Welche Wirkung haben Schönheit und Inszenierung?

Bei Newton, Sherman oder Leibovitz ist die Inszenierung offen sichtbar. Bei Reportagebildern wird sie oft weniger erwartet. Gerade Salgados Werk zeigt, wie eng dokumentarische Aussage und große Ästhetik verbunden sein können. Die spannende Frage lautet nicht nur: „Ist dieses Bild schön?“ Frage auch: „Was bewirkt diese Schönheit beim Thema?“

Vier Fragen für den zweiten Blick

  • Was befindet sich vermutlich außerhalb des Bildausschnitts?
  • Welche Informationen liefert die Bildunterschrift – und welche fehlen?
  • Wie verändert Perspektive, Licht oder Bearbeitung meine Haltung zum Motiv?
  • Würde die dargestellte Person das Bild vermutlich ähnlich lesen wie das Publikum?

Bei eigenen Porträts und Veröffentlichungen gehören Respekt, klare Absprachen und passende Nutzungsrechte zum fotografischen Handwerk. Unser Beitrag zum Model Release für Personenfotos erklärt, wann eine schriftliche Einwilligung sinnvoll oder notwendig sein kann.

Inspiration statt Kopie: Vorbilder richtig nutzen

Die Beschäftigung mit großen Namen soll deinen Blick erweitern, nicht fremde Bilder nachbauen. Übernimm deshalb ein Prinzip, aber entwickle ein eigenes Motiv. Du kannst zum Beispiel mit Adams über Tonwerte nachdenken, ohne Yosemite zu imitieren. Du kannst Cartier-Bressons Geduld üben, ohne eine bekannte Straßenszene nachzustellen.

Veröffentlichte Fotografien sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Bilder aus Museumsarchiven oder von offiziellen Websites dürfen nicht automatisch für den eigenen Blog, Social Media oder Werbung übernommen werden. Prüfe Lizenz, Nutzungsbedingungen und Quellenangabe vor jeder Verwendung. Das gilt ebenso für Vereine und Unternehmen.

Bei Porträts und dokumentarischen Bildern kommen Persönlichkeitsrechte und ethische Fragen hinzu. Ein technisch starkes Bild ist nicht automatisch ein faires Bild. Kläre Einwilligungen, respektiere Grenzen und frage dich, ob Bildauswahl und Begleittext die gezeigten Menschen angemessen darstellen.

Fazit: Berühmte Fotografen zeigen Wege, aber nicht den einzigen richtigen

Von Ansel Adams kannst du präzise Belichtung lernen, von Henri Cartier-Bresson Geduld, von Dorothea Lange Nähe mit Kontext und von Annie Leibovitz visuelles Storytelling. Vivian Maier schärft den Blick für den Alltag, Steve McCurry für Farbe und Andreas Gursky für Muster und Maßstab. Die wichtigste gemeinsame Lektion lautet jedoch: Ein eigener Stil entsteht nicht durch Bewunderung, sondern durch bewusstes Fotografieren, Auswählen und Wiederholen.

Suche dir zunächst eine Fotografin oder einen Fotografen aus, dessen Arbeitsweise dich anspricht. Analysiere mehrere Bilder, wähle ein Prinzip und setze es noch in dieser Woche mit einem eigenen Thema um. Danach vergleichst du nicht, ob dein Foto wie das Vorbild aussieht. Prüfe, ob deine Aussage klarer geworden ist.

Bereit für die nächste eigene Fotoserie? Entdecke unsere Spickzettel für Fotografen, starte mit den Fotokarten für kreative Fotoideen und Aufgaben oder nutze unser Buch und eBook „Fotografieren lernen“. Klare Tipps und konkrete Übungen helfen dir, Schritt für Schritt besser zu fotografieren – mit deiner Kamera, deinen Motiven und deinem eigenen Blick.

Häufige Fragen zu berühmten Fotografen

Welche berühmten Fotografen sollte man kennen?

Zu den besonders einflussreichen Namen gehören Ansel Adams, Dorothea Lange, Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Annie Leibovitz, Steve McCurry, Cindy Sherman und Sebastião Salgado. Welche Auswahl am sinnvollsten ist, hängt vom bevorzugten Genre ab. Für Street Photography ist Vivian Maier interessant, für Mode Peter Lindbergh und Helmut Newton, für zeitgenössische Kunstfotografie Andreas Gursky.

Was zeichnet berühmte Fotografen aus?

Sie haben meist eine erkennbare Bildsprache, verfolgen Themen konsequent und verbinden Technik mit einer klaren Aussage. Berühmtheit allein ist jedoch kein Qualitätsmaßstab. Entscheidend ist, wie stark ihre Arbeit das Medium, ein Genre oder unsere Sicht auf bestimmte Themen beeinflusst hat.

Was kann man von berühmten Fotografen lernen?

Du kannst lernen, Licht bewusster einzusetzen, Bildaufbau und Moment zu verbinden, Menschen respektvoll zu porträtieren und in Serien zu erzählen. Am wirksamsten ist es, ein einzelnes Gestaltungsprinzip auszuwählen und mit einem eigenen Motiv praktisch zu testen.

Welche berühmten deutschen Fotografen gibt es?

Zu den international bekannten Namen mit enger Verbindung zu Deutschland zählen Helmut Newton, Peter Lindbergh, Andreas Gursky, Bernd und Hilla Becher, Thomas Ruff, Candida Höfer, Thomas Struth, Wolfgang Tillmans und Ellen von Unwerth. Sie stehen für sehr unterschiedliche Bereiche von Industrie- und Architekturfotografie bis Mode und Gegenwartskunst.

Darf man berühmte Fotografien nachstellen oder im eigenen Blog zeigen?

Eine Übung für den privaten Lernprozess ist anders zu bewerten als eine Veröffentlichung oder kommerzielle Nutzung. Das Originalfoto ist in der Regel urheberrechtlich geschützt. Auch eine sehr genaue Nachstellung kann rechtliche Fragen auslösen. Nutze besser einzelne Stilmittel für ein eigenständiges Motiv und prüfe für fremde Bilder immer die konkrete Lizenz und die erforderlichen Rechte.

Empfohlene Beiträge

Einen Kommentar hinterlassen